James Cook University - Universität in Townsville .: Diese Seite ist ein Informationsangebot des Instituts Ranke-Heinemann zum Studieren in Australien :.
Die James Cook Universität ist weltweit für eine sehr gute meeresbiologische Fakultät bekannt und in der Tat scheint es, als wären hier die Spitzen der Welt vertreten. Ein gutes Lernklima, sehr gut strukturierte Kurse und das Sahnehäubchen bei weltbekannten Wissenschaftlern, wie zum Beispiel Prof. David Bellwood, hören zu können, macht James Cook zu einer sehr interessanten Uni für Meeresbiologen. Ich persönlich würde den Umfang des Lehrstoffes mit Vorlesungen in Mainz vergleichen, jedoch mit dem Unterschied, dass hier während des Semesters jede Menge Aufsätze und Protokolle geschrieben werden müssen. Dies stärkt den Einstieg in die Materie und lehrt das Aufsuchen, Verwenden und kritische Analysieren von wissenschaftlichen Artikeln.
Aber nicht nur in Sachen Meeresbiologie hat die James Cook Universität einiges zu bieten. Der Campus ist weit gestreckt und gleicht in einigen Bereichen eher einem Park als einem wissenschaftlichen Gelände. Das tropische Klima macht den Aufenthalt zusätzlich zu einem Genuss (wenn auch die Australier es nicht verstehen bei kälterem Wetter auch mal die Klimaanlage auszuschalten).
Mir als, von den heimatlichen Unis verwöhnten, Deutschen fällt es jedoch immer noch schwer für alles zu bezahlen, und zwar drei Mal mehr als ein Einheimischer. Für diese Preise sind einige Klassen immer noch zu groß, mit Praktika welche die Größe derer der Mainzer Uni besitzen. Jedoch merkt man auch Unterschiede. Moderne Fakultäten, vielfältige Servicebereiche und ausgedehnte Sprechzeiten der Professoren sind nur einige davon.
Ich bin nun seit 3 Monaten an dieser Universität und kann jedem mit Interesse an der Meeresbiologie dazu raten an die JCU zu kommen. Nette Menschen, gut organisierte und strukturierte Kurse, eine traumhafte Umwelt, gutes Wetter, ein langer Strand und eine große internationale Studierendengemeinschaft lassen den Aufenthalt hier zu einem Erlebnis werden, in dem man nicht nur Australier, sondern auch viele Amerikaner, Skandinavier und Asiaten kennen lernen kann.
Erfahrungsbericht - Marjan Alemzadeh
Studienbericht Sommersemester 2005
Semesteraufenthalt in Australien
Inhaltsverzeichnis:
1. Organisation meines Auslandsstudiums und Tipps für
andere Studenten
2. Studiengang »Education of Early Childhood« an der James
Cook University in Cairns, Australien (Queensland)
3. Inhalte meiner besuchten Seminare:
3.1 ED 2590 Early Childhood Development Studies
3.2 ED 3093 Inquiries into Early Childhood
3.3 ED 3094 Arts Education for Early Childhood
4. Praktikum im Trinity Beach Kindergarten, Cairns
5. Persönliche Weiterentwicklung
1. Organisation meines Auslandsstudiums und Tipps für andere
Studenten
Ich habe mich bereits in meinem dritten Studiensemester damit
beschäftigt in meinem späteren Studienverlauf ein
Auslandssemester zu absolvieren. Es gibt drei Gründe warum ich
mich dazu entschieden habe das Auslandssemester in Australien
zu machen: Erstens wollte ich auf jeden Fall in einem
englischsprachigen Land studieren, um meine ebglischen
Sprachkenntnisse zu intensivieren. Zweitens wollte ich in einem
Land studieren, das in dem Bereich Pädagogik der frühen
Kindheit weit entwickelt ist und drittens sollte es ein Land sein,
das mir gefällt und indem ich mich wohl fühle - da ich schon in
Australien gereist bin, konnte ich mir sehr gut vorstellen dort für
eine längere Zeit zu leben.
Nachdem mir klar war das ich mein Auslandssemester in
Australien durchführen wollte habe ich mich umfassend über die
australischen Hochschulen informiert. Ich fragte Dozenten und
Professoren der Uni Köln, ob sie Kontakte zu ausländischen
Universitäten haben und ob sie wüssten welche Fördermittel es
gäbe, die man evtl. in Anspruch nehmen könnte. Leider fiel die
Beratung sehr mager aus, keiner aus der
Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln
konnte mir weiterhelfen.
Mein zweiter Schritt war dann der Besuch im akademischen
Auslandsamt. Auch hier war die Beratung leider nur dürftig. Mir
wurde gesagt, dass die Universität zu Köln nur mit der Monash
University kooperiere und dass es an der Monash University
keine Erziehungswissenschaftliche Fakultät gebe. Somit hatte ich
nicht die Möglichkeit das Auslandssemster über ein
Austauschprogramm über die Uni Köln laufen zu lassen. Der
Berater im akademischen Auslandsamt hat mir keine weiteren
Informationen über ein Studium in Australien gegeben. Nachdem
ich ihn gefragt habe, wie ich denn herausfinden kann welche
Universitäten in Australien meinen Studiengang anbieten hat er
mir zumindest den Studienführer Australien vom DAAD
ausgeliehen, welcher sehr hilfreich war. Der Studienführer gibt
u.a. allgemeine Hinweise über das Studium, Informationen über
das Bildungswesen in Australien und Auskunft über
Förderungsmöglichkeiten. Darüber hinaus werden alle
australischen Universitäten aufgelistet und man kann sehen
welche Studiengänge von welcher Universität angeboten werden.
Als nächstes habe ich mich dann längere Zeit damit beschäftigt
diesen Studienführer mehrmals zu lesen, da mir immer wieder
neue nutzvolle Informationen aufgefallen sind. Ich habe
angefangen nach passenden Universitäten zu suchen, an denen
ich mein Studienfach »Pädagogik der frühen Kindheit« studieren
könnte. Diese Suche hat lange gedauert, ich habe mich durch die
Listen des DAAD Studienführers und außerdem durch die Liste
aller Universitäten vom Ranke-Heinemann-Institut (http://
www.ranke-heinemann.de) durchgearbeitet und nachdem ich
wusste welche Universitäten den Studiengang »Education of
Early Childhood« anbieten, habe ich mir die Homepages der
Universitäten genauer angeguckt und versucht so viele
Informationen wie möglich zu beschaffen. Nach langem
überlegen habe ich mich dann für die James Cook University
entschieden. Ich muss sagen, dass mir professionelle Hilfe bei
der Auswahl einer Universität sehr gefehlt hat. Ich konnte zwar
sehen welche Universitäten meinen Studiengang angeboten
haben, jedoch waren es mehrere und es war sehr schwierig
herauszufinden welche Universität meinen speziellen
Bedürfnissen entsprach. Man kann über die Homepages nur
sehen welche Kurse die jeweiligen Universitäten anbieten und
kurze Berichte mit Beschreibungen über die Kurse lesen, die
jedoch sehr allgemein sind. Nachdem ich in Australien war habe
ich gesehen, dass es fast für jeden Kurs ein „Subject Prospectus“
gibt, den man bei der ersten Sitzung der Veranstaltung vom
Dozenten ausgeteilt bekommt. Ich empfehle allen Studenten
bevor sie ihre Uni bzw. Kurse auswählen die jeweiligen Dozenten
per E-Mail anzuschreiben und nach dem Subject Prospectus für
die Kurse, die sie wählen wollen, zu fragen. Ein Subject
Prospectus gibt sehr genaue Informationen über den Kurs, über
den Kursverlauf, über die readings die man machen muss und
über die Bedingungen für einen Scheinerwerb etc. Wenn ich
gewusst hätte dass es diese Subject Prospectus gibt, hätte ich
durch die genauen Kursbeschreibungen gezielter entscheiden
können, welche Uni für mich am besten geeignet wäre.
Nachdem ich meine Vordiplomsprüfung im April 2004 abgelegt
hatte, habe ich mich um ein Stipendium beim DAAD für ein
Study Abroad Semester in Australien beworben. Ich habe meine
Bewerbung im Juni 2004 eingereicht. Im Oktober 2004 habe ich
ein Schreiben vom DAAD bekommen, mit der positiven
Nachricht, dass mir ein Stipendium zugesprochen wurde. Da das
Semester in Australien schon im Februar 2005 begann, hatte ich
nur noch drei Monate Zeit um alle restlichen Sachen zu
erledigen. Meine Bewerbung habe ich über das Ranke-
Heinemann-Institut in Essen laufen lassen, was ich sehr
empfehlen kann. Das Ranke-Heinemann-Institut unterstützt
Studenten bei Bewerbungen für australische Hochschulen und
man muss nichts für den Service bezahlen. Ich hatte eine sehr
kompetente, freundliche Ansprechpartnerin, der ich meine
Bewerbungsunterlagen zugeschickt habe. Diese wurden vom
Ranke-Heinemann-Institut überprüft, Zeugnisse wurden vom
Institut übersetzt (kostenlos) und sie haben für mich den
Kontakt zur Uni aufgenommen, indem sie meine Bewerbung dort
hin gefaxt haben. Der Kontakt zur Uni lief dann über das Ranke-
Heinemann-Institut. Ich habe mich ausschließlich bei der James
Cook University in Cairns beworben was leider nicht sehr
reibungslos verlief. In meiner langen Vorbereitungsphase hatte
ich mehrmals Kontakt zu der Universität aufgenommen und
hatte viele Dinge im Voraus geklärt, z.B. hatte ich die JCU einmal
angeschrieben und gefragt, ob ein TOEFL Test (englischer
Sprachtest) auch nötig wäre, wenn ich nachweisen könnte, dass
ich Englisch als Leistungsfach im Abitur hatte und außerdem das
DAAD Sprachzeugnis vorlegen könnte. Ich bekam damals die
Antwort, dass diese Unterlagen ausreichen würden, um zu
belegen, dass meine englischen Sprachkenntnisse für ein
Auslandssemester ausreichen würden, also hatte ich keinen
TOEFL Test abgelegt. Nachdem ich mich dann aber offiziell um
einen Studienplatz beworben hatte, erhielt ich Anfang Dezember
ein Schreiben, dass ich noch den TOEFL Test vorlegen müsste.
Dieses Schreiben machte mich sehr nervös, weil ich keinen
TOEFL Test gemacht hatte und es nun zu spät dafür war (man
kann nur zu bestimmten Terminen, die nicht sehr häufig sind,
und an bestimmten Orten einen TOEFL Test ablegen). Ich musste
mehrere E-Mails schreiben, um zu klären, dass mir vorher
gesagt wurde dass ich keinen TOEFL Test brauche, sondern mein
Abiturzeugnis und das DAAD Sprachzeugnis ausreichen würden.
Da ich noch die E-Mails von damals hatte, konnte ich diese
weiterleiten um meine Aussage zu belegen. Nachdem dieses
Problem dann endlich gelöst war tauchte ein viel größeres auf.
Bevor ich mich offiziell bei der Uni beworben hatte, hatte ich mir
schon die Kurse ausgesucht die ich besuchen wollte und da
nicht sehr viele Kurse aus dem Bereich Education of Early
Childhood angeboten wurden, musste ich mich auf diese Kurse
festlegen. Die Uni teilte mir dann jedoch sehr spät mit ( Anfang
Dezember), dass ich die Kurse, die ich gewählt hatte nicht
besuchen könnte, da sie nur für „full degree students“ waren. Ich
wurde mittlerweile immer nervöser, da ich in einem Monat
fliegen sollte und noch immer keinen „Uncoditional Offer Letter“
von der James Cook University erhalten hatte, also keinen
sicheren Studienplatz hatte. Ich habe viele E-Mails geschrieben
und wegen der Zeitverschiebung mitten in der Nacht Telefonate
geführt, das Problem war jedoch das im Dezember kaum jemand
in der Uni war, da alle Urlaub hatten. Ich musste also bis Januar
warten und hatte mittlerweile schon fast die Hoffnung
aufgegeben, dass das überhaupt noch klappen würde. Dann
wandte ich mich direkt an die Dozentin, welche die Kurse, die
ich gewählt hatte, angeboten hatte. Das war eine gute Idee, da
die Frau vom International Student Centre (die mir gesagt hatte,
dass ich die Kurse nicht wählen könne) noch nicht mal in der
Fakultät Education beschäftigt war und mir somit auch nicht
erklären konnte warum die Kurse nur für „full degree students“
waren. Ich habe dann mit Reesa Sorin, Coordinator of Education
of Early Childhood Kontakt aufgenommen, ihr meine Situation
geschildert. Sie hat die Sache dann innerhalb von wenigen
Stunden geklärt und ich konnte die Kurse doch besuchen. Am
11. Januar 2005 habe ich dann endlich meine Zusage von der
James Cook University bekommen. Ich musste dann noch auf die
Confirmation of Enrolment warten, um ein Visum zu beantragen,
die am 18. Januar 2005 bei mir eingegangen ist. Da mein Flug
schon für den 8. Februar gebucht war stand ich unter sehr
großem Stress. Es gab dann auch noch Probleme bei der
Beantragung meines Visums. Jeder hatte mir gesagt und ich
habe auch gelesen, dass man das Visum unproblematisch übers
Internet beantragen kann und es nach ein paar Stunden
bekommt. Mir wurde gesagt, dass man keine ärztliche
Untersuchung nachweisen muss, wenn man nicht länger als ein
Semester in Australien bleibt. Nachdem ich meine Bewerbung
abgeschickt hatte bekam ich am 24. Januar jedoch die Nachricht
dass ich eine ärztliche Untersuchung „a chest x-ray as part of
this application“ einreichen müsste. Ich fürchtete, auch dies
zeitlich nicht mehr schaffen zu können, da man dafür erst einen
Termin beim Amtsarzt machen muss, dessen
Untersuchungsergebnisse dann zur australischen Botschaft
geschickt werden müssen und auch dies wiederum
Bearbeitungszeit in Anspruch nehmen würde. Ich schrieb
jedenfalls eine E-Mail an die australische Botschaft, indem ich
denen erklärte das ich mich schon sehr lange auf dieses
Auslandssemester vorbereitet hätte und dass ich die Information
bekommen hätte, dass man keine ärztliche Untersuchung
einreichen müsste wenn man nicht länger als ein Semester
bleibt. Ich habe versucht der Botschaft zu erklären, dass ich das
zeitlich nicht schaffen würde, diese Untersuchung
durchzuführen zu lassen, da ich für den 8. Februar schon
meinen Flug gebucht hatte. Am 25. Januar erhielt ich dann ohne
weitere Kommentare eine Benachrichtigung von der
australischen Botschaft, dass mein Antrag für ein
Studentenvisum bewilligt wurde und war sehr glücklich darüber.
Man kann sehen, dass die Vorbereitungen für mein Semester in
Australien sehr viel Zeit und wirklich sehr viel Kraft gekostet
haben. Es gab sehr viele Hürden, und ich finde es sehr schade,
dass ich zum Schluss trotz der gründlichen Vorbereitung sehr in
Stress geraten bin.
Das Problem liegt meiner Meinung nach darin, dass alle Schritte
aufeinander aufbauen und voneinander abhängen. Ich konnte
mich zum Beispiel nicht an der JCU bewerben, bevor ich eine
Zusage vom DAAD hatte, da man die Studiengebühren (ca.
4600 €) direkt überweisen muss, nachdem man den
„Uncoditional Offer Letter“ annimmt. Wenn mir kein Stipendium
vom DAAD zugesprochen worden wäre, hätte ich das
Auslandssemester finanziell nicht leisten können.
Dementsprechend musste ich auf eine Zu- oder Absage warten,
bevor ich mich überhaupt um einen Studienplatz bei der JCU
bewerben konnte. Nach der Bewerbung musste ich auf den
„Uncoditional offer letter“ warten, den ich akzeptieren musste
bevor ich die „Confirmation of Enrolment“ bekommen habe, die
wiederum Voraussetzung ist, um ein Visum beantragen zu
können. Da ich den „Unconditional Offer Letter“ nicht so schnell
akzeptieren konnte, weil ich erst mal klären musste, ob ich die
für mich interessanten Kurse besuchen konnte, ist es zeitlich
alles sehr knapp geworden. Dadurch musste ich sehr lange auf
die „Confirmation of Enrolment“ warten, und folglich blieb für
die Beantragung des Visums nicht mehr viel Zeit – ungünstig,
falls es Komplikationen bei der Beantragung gibt, wie es in
meinem Fall war.
Mein Vorschlag ist es die Bewerbungsfristen beim DAAD so zu
verändern, dass die Auswahlkomission ihre Entscheidungen den
Stipendiaten für das 1.Semester (Februar bis Juni) bis spätestens
Juli mitteilen kann, damit die Studenten noch genügend Zeit
haben (etwa 6 Monate) um alle endgültigen Vorbereitungen zu
erledigen. Ich habe eigentlich seit Oktober, als ich die Zusage
vom DAAD erhalten habe unter Stress gestanden, da ich einfach
sehr viele bürokratische Sachen erledigen musste, die alle lange
Bearbeitungszeiten in Anspruch genommen haben und ich
einfach oft Angst hatte, dass es nicht klappt, alle Dokumente bis
Ende Januar zu beschaffen. Ich habe mehrere Erfahrungsberichte
von Studenten gelesen, die ein Stipendium vom DAAD erhalten
haben, und in mindestens zwei von denen wurde das Problem
des Zeitmangels ebenfalls erwähnt und ich habe gehört, dass
einige ihr Auslandssemester im letzten Moment sogar
verschieben mussten, weil sie wie ich in Zeitnot waren, aber ihre
Dokumente dann nicht rechtzeitig erhalten haben. Dies ist ein
Problem, da man vielleicht schon im nächsten Semester
Prüfungen angesetzt hat, oder andere wichtige Sachen geplant
hat, die sich nicht einfach verschieben lassen. Ich wäre dem
DAAD sehr dankbar, wenn mein Vorschlag bei der nächst
möglichen Gelegenheit vorgestellt werden könnte, da der DAAD
meiner Meinung nach damit sein Angebot für Studenten stark
verbessern könnte.
2. Studiengang »Education of Early Childhood« an der James
Cook University in Cairns, Australien (Queensland)
Im Folgenden werde ich die Studiengänge »Education of Early
Childhood« an der James Cook University in Cairns mit dem
Studiengang »Pädagogik der frühen Kindheit« in Köln
vergleichen und vor allem die Unterschiede aufzeigen.
Ein wesentlicher Unterschied liegt darin, dass der Studiengang
»Education of Early Childhood« in Australien eine
Lehramtsausbildung ist – nicht wie in Deutschland eine
Diplomausbildung. Man studiert dort ab dem ersten Semester
»Eduaction of Early Childhood«, es findet nicht erst im
Hauptstudium eine Spezialisierung statt, wie es an der
Universität zu Köln der Fall ist. Die Studienlänge beträgt vier
Jahre und man schließt das Studium mit dem Bachelor of
Education ab.
Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass das Studium in Cairns
stark strukturiert ist. Es gibt klare Vorgaben, welche Seminare
man in welchem Semester absolviert haben muss – Pflichtfächer,
die für das Studium obligatorisch sind. Man kann anhand des
Studienüberblicks sehen, dass die Studieninhalte sehr breit
gefächert sind (siehe Anhang 1). Da es eine Lehramtsausbildung
ist, spielen nicht nur pädagogische Seminare, sondern auch
Fächer, wie Mathematik (Numeracy), Naturwissenschaften
(Science), Sprache (Language und Literacy) und Kunst (Arts) eine
wichtige Rolle in der Ausbildung. Diese Fächer werden jedoch im
direkten Zusammenhang mit pädagogischen Didaktikmodellen
und Unterrichtsstrategien vermittelt; es geht also nicht um das
Anhäufen von Fachwissen. Eine Strategie besteht zum Beispiel
darin, die Kinder bei ihren Lernprozessen zu beobachten und
darauf hin zu überlegen welche Lern-Erfahrungen man im
Anschluss dem Kind bieten könnte, um ihm die Möglichkeit zu
geben seine Lernprozesse in dem beobachteten Bereich zu
vertiefen und zu erweitern. Hierzu gehört die Sensibilität der
Erzieherin aktuelle Interessengebiete der Kinder wahrzunehmen,
zu erkennen und aufzugreifen und in den Kindergartenalltag zu
integrieren. Dies kann sowohl durch das Umgestalten der
Lernumgebung und das passende Material-Angebot geschehen,
als auch durch einen Dialog bzw. eine Verständigung zwischen
Kind und Erzieher/in über das aktuelle Thema.
Dieser reflektierte Umgang mit kindlichen Lernprozessen wird
durch die Hochschulausbildung ermöglicht, welche die
Erzieherinnen in Australien absolvieren müssen. Dies spiegelt
sich auch in ihrer Berufsbezeichnung wider, sie werden nämlich
nicht Erzieher/in genannt, sondern »Lehrer/in für frühkindliche
Bildung«.
In dem Staat Queensland wird der Bereich der frühen Kindheit
nicht wie bei uns dem Alter null bis sechs Jahren, sondern dem
Alter null bis acht Jahren zu geschrieben. Der Fokus des
Studiums »Education of Early Childhood« liegt aber auf der
Altersspanne vier bis acht. Mit vier Jahren gehen die
australischen Kinder in die Vorschule (Prep Year) und mit fünf
Jahren gehen sie dann in die erste Klasse (Year 1). Man muss
wissen, dass Kindergarten, Vorschule und Schule in Australien
eine starke Einheit bilden, auch hinsichtlich der Ausbildung des
Personals. Denn das Arbeitsfeld der Absolventen mit dem
Abschluss »Bachelor of Eduaction of Early Childhood« erstreckt
sich über Kindergarten, Vorschule und Grundschule.
[Ich hatte das Glück einen Tag lang in einer australischen ersten
Klasse (Primary School Year 1) hospitieren zu dürfen und ich
muss sagen, dass mir schon dieser kleine Einblick den
fließenden Übergang vom Kindergarten, in die Schule deutlich
gemacht hat. Der Schulalltag wird sehr kindgerecht organisiert.
Die Grundschullehrerin orientiert ihre Lerninhalte sehr stark an
den Kindern und greift die Themen der Kinder auf und macht
diese zu Unterrichtsthemen. Interessant fand ich außerdem,
dass in der ersten Klasse eine Phase des Freispiels im
Tagesablauf eingeplant wird. Auch sonst konnte man sehen,
dass die Struktur des Unterrichts viel stärker an den
Bedürfnissen der Kinder orientiert ist als hier in Deutschland. Es
hat während des ganzen Tages kein Frontalunterricht statt
gefunden, stattdessen wurde Wert auf Gruppenarbeit und
kooperatives Lernen gelegt.]
Ein weiterer Unterschied des Studiums liegt darin, dass man in
einem Semester nur drei bis fünf Kurse besucht. Diese Kurse
sind aber in mehrere Teile gegliedert: Ein Kurs besteht aus einer
Vorlesung, einem Seminar und einem praktischen Teil. Der
praktische Teil kann ein wöchentlicher Workshop oder aber auch
ein begleitendes Praktikum sein, wo man einmal in der Woche
über das ganze Semester hin geht. Durch die Aufteilung der
Kurse in drei verschiedene Bereiche kann man einen stärkeren
Praxis-Theoriebezug herstellen und man hat die Möglichkeit
sich viel tiefgehender mit einem Thema zu beschäftigen.
Die Themen/Theorien, die von den Dozenten in den
Vorlesungen vorgetragen werden, werden in den Seminaren
vertieft, diskutiert und bearbeitet und in den praktischen
Workshops oder im Praktikum (zum Beispiel in einem
Kindergarten oder in einer Schule) erprobt, also von der Theorie
in die Praxis umgesetzt. Dazu müssen die Studenten sehr viel
vor- und nachbereiten. Es gibt nicht die Wahl, ob man in einem
Kurs einen Schein machen möchte oder nicht. Wenn man einen
Kurs belegt muss man die entsprechenden Bedingungen
erfüllen. Die Arbeitsintensivität der Kurse ist viel höher. Man
muss durchschnittlich fünf Arbeiten abgeben und eine Klausur
am Ende des Semesters schreiben, um einen Kurs zu bestehen.
Ich habe insgesamt in einem Semester 13 Arbeiten geschrieben
(vergleichbar mit kleinen Hausarbeiten), ein Praktikum absolviert
und drei Klausuren geschrieben, um drei Kurse zu bestehen.
Ein Kurs in Australien entspricht ungefähr drei Kursen/
Vorlesungen bzw. sechs Semesterwochenstunden in
Deutschland.
An der James Cook University wird auf einen engen Bezug von
Theorie und Praxis viel Wert gelegt. Die Universität arbeitet aus
diesem Grund mit vielen Kindergärten, Vorschulen und Schulen
zusammen. Wenn ein Praktikum zu einem Kurs gehört kann man
davon ausgehen, dass jede/r Student/in einen von der
Universität organisierten Praktikumsplatz zugeteilt bekommt.
Dies hat den Vorteil, dass die Kindergärten, Vorschulen und
Schulen auch ganz genau darüber informiert werden, welchen
Sinn das jeweilige Praktikum hat. In dem Kurs
ED 2590 musste ich zum Beispiel ein Praktikum machen, in dem
der Schwerpunkt auf Beobachtungsverfahren lag. Dadurch, dass
das pädagogische Personal über meine Aufgaben aufgeklärt war
konnte ich mich mit ruhigem Gewissen mit meinen
Beobachtungsinstrumenten an meine Aufgabe begeben.
Dagegen erinnere ich mich an ein Praktikum in einem
Kindergarten der Stadt Köln, wo ich auf meinen Versuch hin mir
Sachen zu notieren, darum gebeten worden bin meinen Stift und
meinen Block weg zu legen und wurde dann darüber aufgeklärt,
dass Schreibutensilien im Kindergartenalltag nichts zu suchen
hätten, ich könnte meine Gedanken nachdem die Kinder
abgeholt werden schriftlich festhalten. Dieses Erlebnis hat mir
nicht nur gezeigt, dass einige Erzieher sehr unreflektiert mit
pädagogischen Prozessen umgehen, sondern auch, dass sie
nicht in der Lage sind Praktika professionell zu begleiten.
Es fällt stark auf, dass die verschiedenen Institutionen im Bereich
der Bildung in Australien von Anfang an zusammen arbeiten. Die
Kindergärten arbeiten mit den Schulen zusammen, die Bereiche
Kindergarten und Schule werden somit nicht voneinander
getrennt, es wird ein sanfter Übergang geschaffen.
Die Universitäten arbeiten mit den Institutionen zusammen, an
denen die zukünftigen Absolventen möglicherweise arbeiten
werden. Dies verstärkt den Theorie-Praxis-Bezug und erleichtert
den Studenten den Einstieg in den Beruf.
Ich denke dass diese gut durchdachten Übergänge zur
Professionalität des australischen Bildungssystems führen. Die
Australier sind uns mit der Professionalisierung der Ausbildung
für den Bereich der frühen Kindheit weit voraus.
3. Inhalte meiner besuchten Seminare
3.1 ED 2590 Early Childhood Development Studies
Der Kurs ED 2590 Early Childhood Development Studies
bestand aus einer Vorlesung, einem Tutorial und einem
Praktikum in einem Kindergarten.
Dieser Kurs hatte zwei Schwerpunkte. Zum einen ging es um
kindliche Bildungsprozesse und in diesem Zusammenhang um
die verschiedenen Bildungsbereiche und zum anderen ging es
um Beobachtungsverfahren. Jeder australische Bundesstaat hat
Early Years Curriculum Guidelines entworfen, (diese entsprechen
den deutschen Bildungsvereinbarungen) die den pädagogischen
Arbeitskräften in den Kindergärten beim Beobachten und
Dokumentieren helfen sollen. Ich werde im Folgenden nur auf
die Early Years Curriculum Guidelines (EYCG) des Bundesstaates
Queensland eingehen, da ich in Australien im Bundesstaat
Queensland gelebt habe und wir in der Universität
dementsprechend mit den Early Years Curriculum Guidelines
(EYCG) des Bundesstaates Queensland gearbeitet haben. In den
EYCG werden fünf Early years learning areas (Bildungsbereiche)
festgelegt.
Interessanterweise stimmen die Early Years learning areas fast
identisch mit den Bildungsbereichen überein, die Prof. Gerd E.
Schäfer, Universität zu Köln, festgelegt hat. Ein Unterschied ist,
dass das soziale Lernen bei Prof. Gerd E. Schäfers Theorie keinen
eigenen Bildungsbereich bildet. „Das soziale Lernen bildet
keinen eigenen Bildungsbereich, denn es kann nicht getrennt
von den konkreten Sozial- und Sachbezügen inszeniert werden“
(Schäfer, 2005, S. 268).
Die Early learning areas im EYCG werden praktischer und
dadurch mehr im Detail erläutert als die Bildungsbereiche von
Schäfer, dafür sind die Bildungsbereiche bei Schäfer theoretisch
besser fundiert.
Early years learning areas nach den Early Years Curriculum
Guidelines des Bundesstaates QueenslandBildungsbereiche nach
Prof. Gerd E.Schäfer, Universität zu Köln,
Bildungsvereinbarung NRWCommunicatingSprache(n)Creating
and Designing Spielen und Gestalten, MedienSense of Self and
OthersBewegung Investigating and Understanding
EnvironmentsNatur und kulturelle UmweltenSocial Living and
Learning
Der Kurs war inhaltlich nach den fünf Early Years learning areas
aufgeteilt. Die Vorlesungen beinhalteten theoretische Ansätze
der einzelnen Bildungsbereiche und in den Tutorials wurde
überlegt wie man den jeweiligen Bildungsbereich in der Praxis
fördern könnte. Außerdem musste man einmal in der Woche in
einen Kindergarten gehen, wo man sich mit dem
Bildungsbereich, das gerade im Tutorial Thema war, auseinander
gesetzt hat. Als zum Beispiel der Bildungsbereich Sprache
behandelt wurde, war das Thema der Vorlesung
Sprachentwicklung. Im Tutorial wurde überlegt was alles zu dem
Bildungsbereich Sprache gehört und wie man Kinder in ihrer
Sprachentwicklung fördern kann. Welche Materialien und welche
Erfahrungen müssen angeboten werden und wie kann die/der
Erzieher/in die Sprachentwicklung des Kindes fördern? Zur
Vorbereitung mussten wir uns an unserem Praktikumstag im
Kindergarten auf den Bildungsbereich Sprache konzentrieren.
Dazu sollten wir beobachten wie die Erzieher die sprachliche
Entwicklung der Kinder fördern, und ob die räumlichen
Bedingungen und Materialien des Kindergartens zur Förderung
der Sprachentwicklung der Kinder geeignet waren. Außerdem
sollten wir beobachten welche Lernprozesse wir in dem
Bildungsbereich Sprache wahrnehmen konnten. In der darauf
folgenden Woche haben wir uns im Tutorial darüber
ausgetauscht wie die verschiedenen Einrichtungen den
Bildungsbereich Sprache unterstützen und welche Möglichkeiten
die Kinder in den jeweiligen Kindergärten haben, in dem Bereich
Erfahrungen zu sammeln.
Die Idee ein Praktikum mit dem Kurs zu verbinden war sehr
sinnvoll, da man so viel reflektierter mit dem Praktikum
umgehen konnte. Dadurch dass dieses Praktikum vor- und
nachbereitet wurde hatte man die Möglichkeit sich auf einzelne
Bildungsbereiche zu fokussieren und konnte so viele Sachen
intensiver wahrnehmen. Außerdem wurde der Bezug zwischen
den theoretischen Ansätzen und der Umsetzung in die Praxis
sehr viel klarer.
Ein anderer Schwerpunkt dieses Seminars lag auf
Beobachtungsverfahren. Da ich in meinem letzten Semester ein
Praktikum im Landesprojekt »Professionalisierung frühkindlicher
Bildung« in NRW absolviert habe, bei dem der Schwerpunkt der
Projektarbeit in der Entwicklung von Beobachtungsverfahren lag,
hat mir das Seminar sehr viele interessante Möglichkeiten
geboten meine bisher erworbenen Erfahrungen einzusetzen und
zu erweitern. Wir haben uns mit verschiedenen
Beobachtungsmethoden auseinander gesetzt und diese in der
Praxis erprobt.
Für den Kurs ED 2590 mussten insgesamt fünf Arbeiten
angefertigt werden. Jede Arbeit ist inhaltlich auf einen der fünf
Early Years learning areas bezogen. Der erste Teil der Arbeit
besteht aus einer Art Aufsatz über die Umsetzung eines
Bildungsbereichs. Hierzu musste der Kindergarten, indem man
tätig war auf den jeweiligen Bildungsbereich hin untersucht
werden. Inwiefern hat der Kindergarten die einzelnen
Bildungsbereiche gefördert? Haben die Raumgestaltung und die
Materialen den jeweiligen Bildungsbereich unterstützt? Wie hat
die Erzieherin Lernprozesse der Kinder in den verschiedenen
Bereichen gefördert? Was hätte die Erzieherin besser machen
können und wie müsste man die Raumgestaltung ändern, um
den Kindern in den einzelnen Bildungsbereichen bessere Lern-
Möglichkeiten bieten zu können? Zudem musste man für jede
Arbeit ein unterschiedliches Beobachtungsverfahren anwenden
(siehe unten). Hierzu musste ein Kind zu einem bestimmten
Bildungsbereich beobachtet werden und diese Beobachtung
musste dann nach dem jeweiligen Beobachtungsverfahren
dokumentiert und ausgewertet werden. Ziel der Beobachtungen
war vor allem das Sichtbarmachen von Lernprozessen und
darauf folgend das Formulieren von Empfehlungen für
zukünftige Lernangebote für das beobachtete Kind.
Im Folgenden werde ich einige Beobachtungsverfahren kurz
vorstellen:
Running Record
Ein Running Record ist eine sehr detaillierte Beobachtung, die
man während des Geschehens sofort dokumentiert. Der
Beobachter soll alle Tätigkeiten und Kommunikationen des
beobachteten Kindes dokumentieren und mit einer Zeitangabe
ergänzen.
Anecdotal Record
Ein Anecdotal Record ist eine Dokumentation einer Beobachtung,
die erst nach der Beobachtung geschrieben wird. Dadurch, dass
das Beobachtete erst später schriftlich festgehalten wird sind
Anecdotal Records meistens nicht so detailliert wie Running
Records. Es besteht auch die Gefahr, dass man wichtige
Bestandteile der Beobachtung vergisst.
Work Samples
Ein Work Sample ist ein Werk eines Kindes; dieses kann unter
anderem eine Zeichnung, eine Konstruktion oder eine Kollage
sein. Es geht bei dem Beobachtungsverfahren jedoch nicht
vordergründig um das Endprodukt, sondern vor allem um die
Dokumentation des Entstehungsprozesses.
Interview
Ein Interview mit einem Kind kann sowohl formell als auch
unformell in Form eines Gesprächs geführt werden. Ziel des
Interviews ist eine Verständigung zwischen dem Kind und der
Erzieherin über eine bestimmte Sache. Die Erzieherin kann zum
Beispiel durch ein Interview wichtige Themen eines Kindes in
Erfahrung bringen.
Checklist/Rating Scale
Checklists und Rating Scales dienen einer strukturierten
Beobachtung zu einem bestimmten Bildungsbereich. Dabei geht
es vor allem darum was ein Kind schon kann und was es noch
nicht kann. Checklisten und Rating Scales werden meistens bei
Beobachtungen im motorischen Bereich eingesetzt.
Die Early Years Curriculum Guidelines wurden für die
Interpretationen der Beobachtungen in den verschiedenen
Bildungsbereichen zur Hilfe genommen.
3.2 ED 3093 Inquiries into Early Childhood Learning and
Teaching
Der Kurs ED 3093 bestand aus einer Vorlesung, einem Tutorial
und Microteaching Lessons. In dem Kurs ging es um Theorien
und Methoden des Lehrens und Lernens. Dazu wurden in den
Vorlesungen verschiedene Unterrichtsmethoden und
Lernstrategien vorgestellt. In den Tutorials wurden Vor- und
Nachteile der verschiedenen Unterrichtsmethoden
herausgearbeitet und es wurde überlegt in welchen Situationen
man am besten welche Methode einsetzt. Außerdem haben noch
andere relevante Themen wie zum Beispiel die Bedeutung des
Fragen-Stellens (Questioning) und des Antwortens in Bezug auf
Lernprozesse einen Raum in diesem Kurs eingenommen. Welche
Arten von Fragen und Antworten gibt es und inwiefern leitet
man Schüler durch Fragen in eine bestimmte Richtung?
Ziel des Kurses war die Entwicklung der Studenten zu
reflektierten Lehrern, die über ihr Handeln und die Folgen ihres
Handelns nachdenken und die bereit sind immer wieder dazu zu
lernen und Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven zu
hinterleuchten. Warum ein Schüler die Teilnahme am Unterricht
verweigert, hat nicht selten etwas damit zu tun, dass er nicht mit
der Lehrmethode des Lehrers
zurechtkommt oder damit, dass die Unterrichtsthemen an den
Themen des Kindes völlig vorbei gehen ohne sie in irgendeiner
Weise zu berühren. Dies sind Faktoren die ein Lehrer in sein
pädagogisches Handeln und Denken mit einbeziehen muss.
In den Microteaching Lessons ging es darum verschiedene
Methoden des Lehrens anzuwenden, auszuprobieren und darauf
hin zu analysieren wie man mit ihnen arbeiten kann: Was gefällt
einem an der jeweiligen Methode gut und mit welchen Aspekten
der Methode hat man Schwierigkeiten? Microteaching Lessons
sind künstliche Unterrichtsstunden, die man selbstständig
planen und mit einer Studentengruppe durchführen muss, um
das Lehren mit verschiedenen Methoden auszuprobieren und
seine Rolle als Lehrer dabei zu reflektieren. Diese Microteaching
Lessons werden auf Video aufgezeichnet, und im Nachhinein
analysiert und ausgewertet. Das Ergebnis wird in einem
Microteaching Report zusammengefasst. Jeder Microteaching
Report besteht aus mehreren Teilen.
Einer der drei Microteaching Reports bestand zum Beispiel aus
vier Beobachtungen über die Lerner, einem lesson plan, zwei
assessments of learning, einer Zusammenfassung des Feedbacks
der Gruppe und einer Analyse des Microteaching lessons.
Während der Vorbereitungsphase entwickelte man einen
Evaluationsbogen, den die Studenten ausfüllten, um ein
Feedback über die Durchführung der Unterrichtsstunde zu
geben. Der Evaluationsbogen sollte dabei helfen Kritikpunkte
heraus zu finden, um diese in die Analyse des Microteaching
Lessons mit einzubauen. In der Analyse des Microteaching
Lessons musste die Stunde auf drei verschiedenen Ebenen
reflektiert, analysiert und ausgewertet werden. Die drei Ebenen
bestanden, aus der technical reflection, der practical reflection
und der critical reflection.
Hierfür wurde van Manens Pyramide und seine Methode des
critically reflective practice angewendet.
Ziel des Ganzen war als Pädagoge zu lernen mit seiner eigenen
Arbeit kritisch umzugehen, über seine Arbeit reflektieren zu
können und die Reflexionen in das zukünftige Planen und
Handeln mit einfließen zu lassen.
3.3 ED 3094 Arts Education for Early Childhood
Der Kurs ED 3094 bestand aus einer Online-Vorlesung und
wöchentlichen Workshops. Er war eine Einführung in das Lehren
und Anwenden von Kunst im frühen Kindesalter. Wir hatten die
Möglichkeit viele Methoden in den praktischen Workshops selbst
zu erfahren und Aktivitäten durch zu führen, um sie später
selbst umzusetzen. Dabei wurde die Strategie »Learning by
doing« angewendet. Das Fach Kunst (The Arts) wird in Australien
in fünf Bereiche differenziert:
• Dance
• Drama
• Media
• Visual Arts
• Music
Es gab zu jedem Bereich mehrere Workshops und Online-
Vorlesungen. Jeder Bereich wurde von einer anderen Dozentin
oder einem anderem Dozenten geleitet, der für seinen speziellen
Bereich ausgebildet war.
Ein wichtiger Weg über den Kinder lernen ist über die Kunst. Die
verschiedenen Bereiche der Kunst bieten Kindern vielfältige
Erfahrungen, Ausdrucksweisen und Möglichkeiten sich ein
eigenes Bild von der Welt zu konstruieren. Kunst ist für Kinder
eine wichtige Form der Kommunikation. Wichtig ist, dass es bei
der Kunst nicht den einen richtigen Weg gibt, es gibt immer viele
verschiedene Wege und Möglichkeiten; dies fördert das kreative
Denken. Durch künstlerische Tätigkeiten wird nicht nur die
Kreativität, sondern auch das Problemlösevermögen des Kindes
gefördert. Außerdem kann ein Kind durch Kunst seine
Emotionen ausleben und verarbeiten, auch das
Selbstbewusstsein wird durch künstlerische Tätigkeiten gestärkt.
Die Bereiche der Kunst führen zu einer ganzheitlichen Förderung
des Kindes, (da meistens alle Sinne eingesetzt werden) die für
seine Entwicklung außerordentlich wichtig ist.
Der Kurs sollte dazu anregen sich über die Wichtigkeit der
verschiedenen Bereiche der Kunst in der frühen Kindheit
bewusst zu werden und Methoden zu lernen, wie man die fünf
Bereiche der Kunst lehren kann.
4. Praktikum im Trinity Beach Kindergarten, Cairns
Mein Praktikum habe ich im Kindergarten Trinity Beach
absolviert. In diesem Kindergarten betreuen zwei »Lehrerinnen
für frühkindliche Bildung« 26 Kinder zwischen drei und vier
Jahren in einer Gruppe. Es gibt einen sehr großen Raum, der in
mehrere Bereiche aufgeteilt ist, und zwar in einen
Rollenspielbereich, einen Spiel- und Puzzlebereich, einen
Lesebereich, eine Ecke mit Sinnes-Materialien, einen Kollage-
Bereich, einen naturwissenschaftlichen Bereich und eine sehr
große Bauecke. Außerdem gibt es eine Veranda und ein großes
Außengelände. Auf der Veranda gibt es vier Staffeleien, die zu
jeder Zeit genutzt werden können. Außerdem gibt es dort ein
Regal mit verschiedensten Musikinstrumenten, welche die Kinder
auch jederzeit benutzen dürfen.
Da die »Lehrerinnen für frühkindliche Bildung« in den
australischen Kindergärten eine akademische Ausbildung haben,
ist das Niveau des pädagogischen Umgangs und der
Verständigung zwischen den Kindern und den »Lehrerinnen für
frühkindliche Bildung« viel höher als in Deutschland. Die Kinder
werden sehr respektvoll behandelt; ihre Wünsche, Bedürfnisse
und Ideen werden Ernst genommen. Man kann spüren, dass die
Kinder von den »Lehrerinnen für frühkindliche Bildung« als
selbstständige Lerner betrachtet werden und zwar:
• durch die Art und Weise wie die Erzieherinnen mit den Kindern
kommunizieren und
• durch die Raumgestaltung im Kindergarten.
Ich konnte viele spannende Unterhaltungen zwischen den
»Lehrerinnen für frühkindliche Bildung« und den Kindern
verfolgen und habe oft erlebt, dass die »Lehrerinnen für
frühkindliche Bildung« sich mit den Themen der Kinder
auseinander setzten und das aktuelle Thema zum
Gruppenthema machten. Hierzu möchte ich kurz ein Beispiel
nennen. Eines Tages hat ein Kind im Garten in einer tiefen Pfütze
eine Kaulquappe entdeckt. Dieses Ereignis wurde natürlich zum
Highlight des Tages. Die Kinder sammelten sich um die Pfütze
herum und versuchten die Kaulquappe zu sehen. Die »Lehrerin
für frühkindliche Bildung« kam hinzu und integrierte sich in das
Gespräch der Kinder. Einige Kinder wussten schon, dass sich aus
der Kaulquappe ein Frosch entwickeln würde. Irgendwann kamen
die Kinder auf die Idee die Kaulquappe mit rein in den
Gruppenraum zu nehmen. Die »Lehrerin für frühkindliche
Bildung« hat ihnen darauf hin gesagt, dass Kaulquappen im
Regenwasser leben müssen und dass sie deshalb die
Kaulquappe nicht einfach so aus der Pfütze rausholen können.
Als ich in der darauf folgenden Woche wieder in den
Kindergarten ging, habe ich gesehen, dass das Thema
Kaulquappen weitergeführt wurde. Sie hatten ein Aquarium
beschafft das mit Regenwasser gefüllt wurde, worin zwei
Kaulquappen schwammen. Die Kinder konnten diese wunderbar
beobachten. Außerdem lag direkt neben dem Aquarium ein Buch
über die Entwicklung von Fröschen und an der Wand hing ein
Poster, welches die einzelnen Schritte der Entwicklung vom Laich
zum Frosch zeigte. In der Gruppenphase wurde ein Lied
gesungen, in dem die Kinder die verschiedenen Phasen in der
Entwicklung eines Frosches durch Bewegung nachahmen
mussten, hierbei wurden die verschiedenen Phasen von den
Kindern benannt. Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass die
»Lehrerinnen für frühkindliche Bildung« in dem Kindergarten
Interessengebiete und Neugierde der Kinder aufgreifen und sie
dabei unterstützen diese vertiefen.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Raumgestaltung. Die
Raumgestaltung dieses Kindergartens ist nicht besonders, doch
es ist besonders dass die Kinder jederzeit Zugang zu allen
Materialien haben und nie fragen müssen, ob sie etwas benutzen
dürfen. In der Phase des Freispiels, die den größten Teil des
Tages einnimmt, dürfen die Kinder sich in allen Bereichen
aufhalten und alle Materialien benutzen.
Ich habe die Kinder im Trinity Beach Kindergarten als sehr
kooperativ in Erinnerung. Insgesamt konnte man spüren, dass
alle sehr respektvoll miteinander umgegangen sind, sowohl die
Erzieherinnen untereinander, als auch die Erzieher mit den
Kindern, wie auch die Kinder untereinander.
Eine weitere Sache die mir aufgefallen ist, war dass die
»Lehrerinnen für frühkindliche Bildung« immer eine Stunde vor
den Kindern in den Kindergarten gekommen sind, um das
Setting für den Tag zu gestalten. Es gab zum Beispiel jeden Tag
anderes Werkzeug an den Staffeleien; ob Rollen, Fingerfarben,
oder Pinsel, die Werkzeuge und Farben wurden jeden Tag
variiert. Auch die Materialien im Raum und auf dem
Außengelände wurden variiert. An einem Tag waren ganz viele
Materialien draußen, die zum Thema Balancieren und
Gleichgewicht gehörten, an einem anderen Tag wurde ein großes
Wasserbecken mit verschiedensten Gefäßen aufgestellt. Wieder
an einem anderen Tag wurden ganz viele Rohre und andere
Baumaterialen und ein Wasserschlauch in den Sandkasten gelegt
usw. Das Setting wird jeden Tag etwas geändert und bietet somit
immer neue Erfahrungen. Die Erzieherinnen zeigen damit, dass
sie sich mit dem Tun der Kinder beschäftigen, denn durch das
gezielte Anbieten von Materialien zu einem Thema können sie
gezielt Lernprozesse zu bestimmten Themen der Kinder
unterstützen.
Das Personal in den Kindergärten in Australien ist sehr gut
ausgebildet. Die Arbeit der australischen Erzieherinnen ist viel
professioneller als in Deutschland. Die pädagogisch-fachliche
Ausbildung der Erzieher ermöglicht den Kindern viele
Erfahrungen in den verschiedenen Bildungsbereichen. Die Kinder
im Trinity Beach Kindergarten haben eine Menge gelernt, ob es
nun im Bereich der Mathematik war, (z.B. durch das Einsetzen
von Messbechern beim gemeinsamen Backen oder durch die
geometrischen Formen an der Wand in der Bauecke) oder im
Bereich der Naturwissenschaften, (wie entwickelt sich ein Frosch?
Warum sehen die Nester von verschiedenen Vögeln verschieden
aus?) oder im Bereich der Kunst (durch das Gestalten mit Knete
oder das Malen an der Staffelei). Konzentriertes Arbeiten der
Kinder war in diesem Kindergarten keine Seltenheit, sondern
etwas Normales. Ich konnte viele interessante Lernprozesse
während des Freispiels beobachten.
Insgesamt kann ich behaupten, dass mich das Auslandssemester
an der James Cook University fachlich ein großes Stück weiter
gebracht hat. Ich habe in dieser Zeit sehr viel Wertvolles gesehen
und gelernt. Besonders im Bezug auf die Professionalisierung
des Bereiches frühe Kindheit im internationalen Vergleich, war
mein Studium in Australien von großem Wert. Die Erfahrungen
und Lernprozesse in den Seminaren und dem Praktikum in
Australien haben mein Studium enorm bereichert.
5. Persönliche Weiterentwicklung
Ich möchte auch kurz darauf eingehen, dass das
Auslandssemester nicht nur meiner fachlichen
Weiterentwicklung, sondern auch meiner persönlichen
Weiterentwicklung gedient hat.
Es war toll die Möglichkeit zu haben fünf Monate in einem
anderen Land zu leben. Es war eine Zeit, in der ich sehr viele
Erfahrungen machen konnte und sehr viel erlebt habe. Ich habe
mich selbst besser kennen gelernt ... Ich bin aus meiner
alltäglichen Welt in eine andere Welt eingetaucht, in der sehr
Vieles anders war. Als ich angekommen bin kannte ich keinen.
Es war ein seltsames, aufregendes und spannendes Gefühl in
einem Land zu sein, in dem ich keine sozialen Kontakte hatte, in
einem Land zu sein, indem ich eine andere Sprache sprechen
musste, in einem Land zu sein, wo die Kultur und die Lebensart
der Menschen ganz anders ist als in Deutschland. Ich habe viele
verschiedene Phasen durchlaufen während meiner Zeit im
Ausland und ich habe viel emotionale Höhen, und manchmal
auch Tiefen durchlebt. Es ist ein einmaliges Erlebnis gewesen
von allen und allem was ich kannte weg zu sein und mich auf ein
ganz anderes Leben einzustellen. Es braucht zunächst etwas Zeit
bis man sich auf das Neue einlassen kann, aber der Prozess des
Einlassens oder vielleicht des Zulassens ist sehr wichtig. Wie wir
wissen sind Menschen in ungewohnten Situationen oft unsicher
und wollen das alles so ist wie sie es kennen. Doch als ich es
geschafft habe mich auf das neue Leben einzulassen, bin ich in
eine andere Welt eingetaucht, in der ich sehr viel kennen
gelernt, respektiert und geschätzt habe. Ich habe viele
liebenswürdige und interessante Menschen kennen gelernt, mit
denen ich tolle Gespräche führen konnte. Ich konnte meine
Horizonte und Sichtweisen in vielen Bereichen, sowohl in
persönlichen als auch in fachlichen, durch einen tiefen
Austausch erweitern. Auch das Entdecken des Landes
Australiens mit seinen wunderschönen Seiten hat mir sehr viel
Freude bereitet. Ich nehme aus der Zeit in Australien sehr viel
mit.
Ich danke herzlich dem DAAD und der Studienstiftung des
deutschen Volkes, die mir dieses Auslandssemester durch
finanzielle Unterstützungen ermöglicht haben.
Marjan Alemzadeh
Literatur:
Schäfer, G. E.: Bildung beginnt mit der Geburt. Förderung von
Bildungsprozessen in den ersten sechs Lebensjahren.
Weinheim, Basel, Berlin 2003
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